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Beratungsstelle für behinderte Menschen
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Wassergasse 2 (Eingang Erdberger Lände), A-1030 Wien
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Text: Edi Riha
Ein Festsaal, in dem gerade ein Junggesellenabend (vergleichbar mit einem Polterabend in unseren Breiten) amerikanischer Frauen seinem Höhepunkt zustrebt. Die zukünftige Braut erhält ein Abschiedsgeschenk in einem Päkchen überreicht. Auf der Bühne, ein Mikrophon in Händen, fragt die Moderatorin unter Gekicher und Gekreisch der Anwesenden nach dem Inhalt, lässt sich die Schachtel bringen, wirft einen Blick hinein und meint: "Ich hoffe, das ist für verspannte Schultern." Applaus und Kreischen. "Grosser - mein Gott, das ist ja furchtbar. Erschreckend. Ich meine das ist ja ein Hochspannungsgegenstand. Ich meine, ich möchte nicht mit etwas intim werden, das drei Monate Garantie hat."
(Eine Reaktion angesichts eines Vibrators, im Film "Knalleffekt" mit Sally Field und Tom Hanks in den Hauptrollen, Regie: David Seltzer, 1988)
Eine entspannte Haltung einnehmen, den Penis sanft mit der Hand umschliessen, diese mit gerade dem richtigen Druck entlang des Schaftes vor und zurück zu bewegen, zusehen wie die Erektion härter wird, die Bewegung beschleunigen, - und letztlich nach Erguss und Orgasmus angenehm erschöpft und entspannt zurückzusinken, - ein Vergnügen, das so simpel und selbstverständlich leider nicht jedermann gegönnt ist. Neben diversen psychischen Problemen kann auch eine ganze Latte organischer Ursachen dem Spiel mit sich selbst Hindernisse in den Weg legen.
Männer mit Querschnittlähmung haben meist auch veränderte sexuelle Reaktionen zu bewältigen. Dabei ist die Bandbreite vielfältig. Sie umfasst von Einschränkung bis zum Verlust des Gefühls im Genital alle Abstufungen von Sensibilität, Erektion kann vorhanden sein oder auch nicht, oft hält sie nicht ausreichend lange, - alles ist möglich.
Das grösste Problem für querschnittgelähmte Männer ist die mangelnde Ejakulation (Samenerguss) und der damit einhergehende Orgasmus, ein Mangel, der besonders bedrückend wird, wenn in einer bestehenden Partnerschaft der Wunsch nach Kindern nicht befriedigt werden kann. Schon bisher konnte die Medizin helfen, spezialisierte Ärzte kennen einige Techniken um einem Paar trotzdem zu Nachwuchs zu verhelfen. Eine dieser Methoden war der Einsatz spezieller Vibratoren, die - auch wenn mit Beischlaf und Masturbation kein Sperma (Samenflüssigkeit) zu gewinnen war - es unter klinischen Bedingungen doch schafften.
Allerdings muss man sich zu diesem Zweck in die Klinik begeben, ein Ort, der erotischen Stimmungen wenig förderlich ist. 1995 hat eine dänische Firma, die bereits Vibratoren für den klinischen Einsatz baute, auf Ersuchen der dänischen Vereinigung Querschnittgelähmter, ein Gerät für den Hausgebrauch entwickelt.
Handlich, leise, exakt auf die persönlichen Bedürfnisse einstellbar und vor allem: die berührende Zuwendung hilfreicher Menschen in weissen Mänteln, das ist Ferti Care personal vibrator. Dieser Vibrator ist nicht zu vergleichen mit jenen, teilweise skurril geformten Apparaten, die in Sex-Shops erstanden werden können. Nach Angaben der Firma, die sich nicht auf ihre Erfahrungen in der Klinik verliess, sondern auch das neue "Heimgerät" umfangreichen Tests unterzog, war es 80% der Testpersonen möglich, zu ejakulieren. Genauso wie individuelle Vorlieben des "Hand-an-sich-legens" mal rascheres oder gemächlicheres Vorgehen verlangen, kann beim getesteten Gerät die Frequenz zwischen 70 und 110 Hz frei gewählt werden. Und weil nicht jeder mit kleinen abgezirkelten Bewegungen glücklich wird, sondern manche es lieber grosszügig raumgreifend vorziehen ist auch die Amplitude von 1,0 bis 3,5 Millimeter verstellbar. Ausserdem sorgt eine eingebaute Kontrollfunktion für den g'rade richtigen Druck, ist er zu gross, warnt ein kleines Lämpchen.
Zwar hatten die Entwickler des Vibrators eine ganz klare Aufgabenstellung und eine genau definierte Zielgruppe vorgegeben, es ist allerdings anzunehmen, dass der Käuferkreis darüber hinaus gehen wird.
Es ist zu vermuten, dass Menschen mit Handbehinderungen oder eingeschränkter Muskelkraft sich ebenfalls seiner bedienen werden. Die Gebrauchsanweisung spricht jedenfalls auch nicht gelähmte Menschen an und legt ihnen dringend ans Herz, sich der niedrigsten Frequenz zu bedienen. Allerdings lässt sie offen, was geschieht, wenn Hinz und Kunz sich nicht daran halten. Ob dann die Freude wohl grenzenlos ist???
Achtung: Sie sollten sich vor Anwendung dieses Gerätes mit ihrem Arzt besprechen. Liegt Ihre Lähmung oberhalb des 6. Brustwirbels müssen Sie ihren Arzt zu Rate ziehen, da sich gefährliche Nebenerscheinungen (u.a. rascher Blutdruckanstieg während des Gebrauches) einstellen können. Ihr Arzt wird Ihnen erklären, wie Sie den Vibrator (eventuell mit begleitender Einnahme eines Medikamentes) einsetzen können ohne sich zu gefährden!
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