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Mit Persönlicher Assistenz Kinder erziehen

Text: Dorothea Brozek

"Es gibt schon Situationen in der Familie, wo die Gegenwart der Assistenten stört", meint Adolf Ratzka, "es kommt auf den Typen drauf an, manche sind ja sehr flexibel und feinfühlig und lernen durchaus."

Adolf Ratzka, promovierter Volkswirt und engagierter Kämpfer der Selbstbestimmt Leben Bewegung lebt seit 1973 in Schweden. Er gründete 1984 den Verein STIL, Stockholmer Genossenschaft für Independent Living, in welchem er bis 1995 Vorsitzender war. "Unser Ziel war einfach: Gelder statt Sachleistungen. Die Kosten unserer Assistenz durch den ambulanten Dienst oder die Fokus-Anlage wollten wir uns von der Gemeinde auszahlen lassen, um damit unsere eigenen Dienste nach unseren Vorstellungen aufzubauen."

Ratzka ist selbstverständlich auch selbst Assistenzbenützer und kennt aus eigener Erfahrung die breite Vielfalt des Lebens mit persönlicher Assistenz. Er ist verheiratet. Seine Frau Doro und er haben ein Mädchen adoptiert. Die kleine Tochter heisst Katharina. "Trotzdem ist es ja auch nicht so, dass sich Assistenten an der Erziehung beteiligen sollen, um Gottes Willen!"

Aber man kann trotzdem davon ausgehen, dass es in der Familie einen zusätzlichen Ansprechpartner für die Kinder gibt, und die Assistenten sind ja kein Gegenstand, den man einfach abstellen kann. "Man wünscht es sich manchmal, abstellen und in den Schrank stellen...Nein, im Ernst, es ist total wichtig, erstens die Assistenten gut und sorgsam auszuwählen und zweitens gut anzuleiten und einzuschulen. So beim Trösten der Kinder, da gibt es verschiedene Techniken, etwa die Kinder hochheben, dass es zur Mutter bzw. dem Vater schaut und den Rücken zum Assistenten. "Das hat schon eine Wirkung" so der Volkswirt über seine Rolle als Vater. "Es ist für mich so, dass es ohne selbstbestimmter Assistenz nur sehr schwierig zu einer gleichberechtigten Partnerschaft kommen kann."

In Schweden regelt seit 1994 ein Assistenzgesetz die Anspruchvoraussetzungen für Direktzahlungen für persönliche Assistenz. Bei der Durchsetzung der Assistenzreform war STIL entscheidend beteiligt. Die daraus folgende Entwicklung skizziert Adolf Ratzka folgendermassen: "Bei den Betroffenen - etwa 7000 Menschen und deren Angehörigen hat diese verhältnismässig billige Reform eine enorme Verbesserung der Lebensqualität verursacht. Fokuswohnungen und andere Einrichtungen werden nicht mehr weiter ausgebaut wegen Mangel an Nachfrage."

Auf längere Sicht wird die Reform zu tiefen Veränderungen führen. Mit Hilfe von persönlicher Assistenz haben viele zu studieren und arbeiten angefangen. "Persönliche Assistenz hat manchen den Mut gegeben, eine Partnerschaftsbeziehung aufzubauen und Kinder in die Welt zu setzen. Allein im Verein STIL haben wir ein Dutzend Eltern von Kleinkindern, die diesen Entschluss auf das STIL Modell zurückführen. Meine Frau und ich gehören auch dazu", so der stolze Vater.

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