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Beratungsstelle für behinderte Menschen

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Domino: 2/94 Editorial

Tatort: ORF, Zeit im Bild, Tatzeit: 10.11.94, kurz nach 22 Uhr. Zu Gast im Studio ist der Wiener Anästhesist Prof. Paul Sporn. Das Thema lautet: Schwangere Frau im Koma. Der behandelnde Professor Sporn: "Ich sehe das Kind vor mir in der Gebärmutter, ich weiss dass es lebt, ich weiss, dass es sich bewegt, und Pränatalpsychologen können das bestätigen, dass das Kind Empfindungen hat. Und wenn die Mutter hirntod wird, und ich die Atmung nicht künstlich fortführen kann, wird das Kind im Mutterleib ersticken. Ich sehe es ganz konkret vor mir, wie es von Sauerstoff notgepeinigt in Panik herumzappelt, bis es eben erstickt."

Ich war gerührt von soviel Emotion live zur besten Zeit im Fernsehen. Respekt, Herr Professor! Aber das Gespräch ging noch weiter. Moderator Robert Hochner stellte sinngemäss die Frage ob durch die Behandlung der Mutter und dadurch, dass der Körper künstlich in Funktion erhalten wurde, das Kind körperlich oder psychologisch geschädigt wird. Ob es unter allen Umständen sinnvoll und auch im Interesse des Kindes sei, dieses zur Welt zu bringen? Sporn im Originalton: "Unter allen Umständen sicher nicht. Die Mutter war bisher in keiner Situation kreislaufmässig und mit der Atmung etc., wo man eine Schädigung des ungeborenen Kindes befürchten hätte müssen. Sollte die Mutter so schwer erkranken und mit Organsystemen ausfallen, dass es gegeben ist und es zum sinnlosen Bravourakt würde, dann würde ich sofort zurücktreten." Das ist überhaupt keine Frage. Verstehe, Professor Sporn. Ein geschädigtes - oder bezeichnen wir es doch als behindertes - Kind zu entbinden, ist ein sinnloser Bravourakt. Nur ein "gesundes" Kind kann zur Reputation beitragen. Und das geniesst Priorität. Da vergisst man leicht, Herr Professor, dass geschädigte Kinder auch von "Sauerstoff notgepeinigt in der Gebärmutter herumzappeln." Gewalt gegen Menschen mit Behinderung, so haben wir in der letzten Nummer angekündigt, bildet diesmal unseren Schwerpunkt.

Der Behindertenbeauftragte von Niedersachsen, Karl Finke, hat eine Dokumentation über die zunehmende Gewalt gegen behinderte Menschen vorgelegt. Diese Dokumentation geht unter die Haut. Aber sind es wirklich nur ein paar Rechtsradikale, die gegenüber behinderten Menschen gewalttätig sind? Oder ist es nicht so, dass diese Rechtsradikalen sich sagen, ihr denkt es, wir tun es! Wo fängt eigentlich Gewalt an? Und welche Formen hat Gewalt? Ist die Tatsache, dass Menschen im Rollstuhl nicht ins Theater gehen können oder gar dürfen, nicht auch eine Form von Gewalt? Oder ist die Tatsache, dass Föten, die behindert sind, bis zur Entbindung straffrei abgetrieben werden dürfen, nicht auch Gewaltanwendung gegen behindertes Leben? Nur ist jene Art von Gewalt gesellschaftlich akzeptiert. Damit wir uns nicht missverstehen, wenn ich im Anfang die Aussagen und das Wertebild des Professors Sporn aufgegriffen habe, so sind dieses Aussagen stellvertretend für das Wertebild in der Gesellschaft.

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